Aus einem alten Hilux wird Matsch-Rudolf

Steckbrief meines Hilux

Baujahr: 2003
Motor: 2,5 Liter Reihenvierzylinder, 75 kW
Antrieb: Zuschaltbarer Allrad
Kilometerstand: 206.223 km
Farbe: Blau
Komfort: Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber

Theoretisch sollte das schon für das Wesentliche ausreichen. Aber es gibt wohl niemanden, der Overlanding zum Hobby macht, der sein Fahrzeug nicht modifiziert.

So sah der Hilux aus, als ich ihn gekauft habe. Kunstlederverdeck auf Alugerüst. Regendicht, einfach und zweckmäßig.

MatschRudolf, wie ich ihn gekauft habe (Plus Magnetfußantenne)

Der Ausbau beginnt

Zunächst wollte ich vor allem für Versorgungssicherheit unterwegs sorgen. Das heißt, für Strom und Druckluft sorgen.

Der erste Schritt war nun, Strom vom Motorraum auf die Pritsche zu bekommen. Das ging relativ einfach, da der Hilux einen Leiterrahmen hat, an den man Verlegerohre anbringen kann, die die Stromleitung beherbergen. Im Prinzip wird das Batteriesystem mit der Fahrzeugbatterie so verbunden, wie ein Hifi-Verstärker, also Sicherungshalter, dickes Kabel vom Pluspol nach hinten, dickes Kabel von der Karosserie zum Batteriesystem. Zusätzlich habe ich gleich eine fünfadrige Steuerleitung verlegt, dazu später mehr. Als Dachträger habe ich einen einfachen Thule-Träger und ein Stück Gartenzaun benutzt, darauf wurden dann Solarzellen und Light Bar montiert.

Zwei Solarpanels und eine Light Bar

Nach der Montage der Solaranlage kam noch ein Lademanager hinzu. Vermutlich hätte ein einfacher MPPT-Lader gereicht, ich hab mir aber gleich mal die große Anlage von C-Tek angeschafft. Vorteil dabei: Die Solaranlage kann die Batterien auf der Ladefläche für den Betrieb von Kühlbox etc. laden und sobald diese geladen sind, werden die Starterbatterien geladen. Somit sollte auch bei längerer Standzeit ein Versagen ausgeschlossen sein. Theoretisch lässt sich damit auch ein Defekt der Lichtmaschine überbrücken, sofern man nur am Tag fährt. Ferner ist es möglich, ein separates Ladegerät an die Aufbau-Batterien anzuschließen, sobald diese geladen sind, fließt auch Strom zu den Starterbatterien.

Großes Ladesystem von C-Tek, erster Rohaufbau.

Der Einbau des Kompressors war etwas spannender – zunächst, weil ich keinen für den Dauerbetrieb ausgelegten Kompressor verwende aber auch, weil ich davor noch keine Erfahrung mit Druckluft gesammelt habe. Es empfiehlt sich, entweder eine Dose Lecksuchspray oder Spülwasser zur Hand zu haben, um Undichtigkeiten zu finden.

Den Kompressor habe ich zum Teil modifiziert – die Standplatte und das Anschlusskabel wurden entfernt, die Batterieklemmen wurden durch stabile Ösen ersetzt, um den Kompressor an die Aufbau-Batterien anschließen zu können. Auf den Bild unten sind die einzelnen Bestandteile zu sehen, das graue Kästchen ist der Druckschalter – Dieser ist dazu gedacht, den Kompressor beim erreichen des gewünschten Nenndrucks abzuschalten. Dieser verfügt ferner über einen Anschluss zur Fernsteuerung, damit man den Kompressor vom Fahrersitz aus an und ausschalten kann. (Tipp: Sollte man auch wirklich machen. Nichts ist peinlicher, als wenn man nachts im Zelt liegt und der Kompressor losröhrt und alle aufweckt. #FürSieGetestet)

Kompressor und Drucktank bilden einen einfachen Bausatz.

Damit das nicht alles so rumschlackert, wurden Batterien, Kompressor, Drucktank und Lademanager auf einem Holzrahmen montiert, der auf der Ladefläche zwischen den Hinterrädern Platz fand.

Dieser Holzrahmen beherbergt die Elektrik für den Aufbau.

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Die Elektroinstallation ist deutlich umfangreicher als wenn man nur einen HiFi-Verstärker einbaut. Zusammen mit dem Ladesystem, den Aufbaubatterien, dem Kompressor, den Solarzellen sind hier ca. 30 Kontaktpunkte vorhanden. Wichtig dabei ist, dass diese jeweils abgesichert und sicher verbunden sind. Die Anschaffung einer guten Crimpzange lohnt sich. Und für den Anfang sollte man ca. 2x so viele Kabelschuhe und Kabelösen kaufen, als man vor hat zu brauchen. :-)

Ein noch viel wichtigerer Hinweis: „Es sind ja nur 12 Volt!“ ist der falsche Ansatz. Je nach dem, was man kurz schließt, können mehr als 200 Ampere fließen und Leitungen, die falsch oder nicht abgesichert sind, überhitzen und beginnen zu brennen. Daher immer prüfen und ggf. nachrechnen, ob die Kabelquerschnitte angemessen sind und die Sicherungen korrekt bemessen sind.

Der Hilux wurde nicht ganz zufällig Matsch-Rudolf getauft.

Nun stellt sich die Frage, wozu ein Drucktank verbaut ist. Prinzipiell ist dieser optional, ich wollte aber sichergehen, dass ich immer etwas Puffer habe. Bei einem meiner Ausflüge in den Offroadpark habe ich nämlich, ganz praktischerweise, das vordere Differential beschädigt. Aber wer ein Hobby betreibt, denkt sich da natürlich „Was soll’s, Neuteile sind immer gut!“.

Zerstörtes Kronenrad aus dem Vorderachsdifferential.

Den Schaden am Vorderachsdifferential will ich versuchen zu erklären: Es gibt im Offroadpark Langenaltheim eine sehr prominente, langgezogene Steigung. Diese hat ca. 80% Steigung und hat durch häufiges Befahren an verschiedenen Stellen tiefe Auswaschungen. Beim Befahren dieser Steigung bin ich mit einem der Vorderräder in eine dieser Auswaschungen gekommen, sodass das vordere rechte Rad durchgedreht hat. Von der Hinterachse kam wenig Schub, denn obwohl dort das Differential gesperrt war, war auf der Hinterachse einfach zu wenig Gewicht, um das Fahrzeug gleichmäßig nach vorne zu bewegen. Daher habe ich es mit Schwung und zu viel Drehzahl versucht. Das hat natürlich dazu geführt, dass das vordere rechte Rad sich ziemlich flott gedreht hat, während das linke Rad sich nicht bewegt hat. Irgendwann hatte ich so das Fahrzeug weit genug nach vorne gehoppelt, dass beide Vorderräder wieder Bodenkontakt bekamen. Das stehende und das freidrehende. Naturgemäß versucht das Differntial immer, die Kraft zwischen den Rädern zu verteilen. Wenn aber ein Rad steht und eines sich dreht, entstehen enorme Spannungen, die sich letztendlich im Kronenrad entladen.

Was lernt man daraus? Wenn’s nicht vorwärts geht, anders versuchen, mehr Drehzahl bringt im Allgemeinen nichts.

Freundlicherweise hat mir Toyota Berhalter in Ellenberg nicht nur ein neues Innenleben in das Differential eingebaut, sondern gleich eine Differentialsperre für die Vorderachse. Damit sollte ich gar nicht mehr in die Situation kommen, dass an der Vorderachse einseitiger Schlupf entsteht.

Schalter für die Differentialsperre an der Vorderachse. Dieser Schalter fühlt sich wirklich an, wie ein Cheat-Code in einem Computerspiel. Schier unpassierbare Hinternisse lassen sich so überwinden.

Nun war auch mal Zeit für einen Besuch beim Landrover-Club Passau. Dort habe ich drei Dinge gelernt. Erstens: Offroad fahren ist genau das richtige Hobby, man trifft tolle Menschen. Zweitens: Marken sind Schall und Rauch, man kann komplett angstfrei zu einem Markentreffen fahren, auch wenn man ein „falsches“ Modell fährt. Drittens: Der Landrover Defender ist nicht grundlos eine Legende. Aber dazu ein andermal mehr.

Geländewagen + Wurfzelt, auch bekannt als „australisches Wohnmobil“.

Und damit beende ich mein erstes Jahr „Offroad“.