Den breiten Pfad verlassen

Seit Jahren hatte ich den Wunsch, mir ein Wohnmobil anzuschaffen. Einfach spontan am Wochenende irgendwo hinfahren! Schlafen, wo man müde wird! Einfach mal rauskommen. Natürlich habe ich mir angeschaut, was es so gibt, überlegt, was ich gerne hätte (gute Toilette, Backofen, großes Bett, Laderaum) und worauf ich verzichten kann (Fahrradträger, Fernseher/Satanlage).

Ziemlich bald fand ich dann auch das perfekte Wohnmobil. Es passte in die 3,5-Tonnen-Begrenzung meiner Führerscheinklasse, war nicht auf den letzten Drücker abgelastet und ansonsten schon beim Befüllen mit Wasser überladen, nicht zu lang aber auch nicht gerade kurz. Die Motorisierung stimmte, es war erst ein paar Jahre alt, den überflüssigen Fernseher hätte ich schnell ausgebaut. Also nahm ich mir etwas Bedenkzeit.

Und die Bedenken kamen: Ist es das richtige für mich? Brauche ich so viel Platz? Und: würde ich es überhaupt oft genug nutzen?

Diese Fragen musste ich alle mit „Nein“ beantworten, dazu kam die Befürchtung, dass mir vor lauter Spießigkeit eine Armee aus Gartenzwergen auflauern, mich überwältigen und mich in ein Feinrippunterhemd zwängen und vom Wein- zum Biertrinker machen, der statt aufwendig zubereitetem Tandoori einfach irgendwas vom Discounter auf den Grill wirft.

Ja, solche Bedenken hat man, und obwohl ich Wohnmobile noch immer sehr, sehr toll finde: Für einen alleinreisenden Abenteurer ist das einfach Overkill und obendrein Ballast. Ich wollte weiter kommen, als die meisten Wohnmobile (deren Fahrplan typischerweise „Einfamilienhaus-Autobahn-Campingplatz-Autobahn-Einfamilienhaus“ lautet), mich obendrein nicht ins gemachte Nest setzen und selber was auf die Reihe bekommen.

So kam ich zunächst auf die Idee, einen Toyota Hiace auszubauen. Klein, leicht, wenig, ein Bisschen ordentlich geländegängig, gerade genug Platz für Bett, Tisch und ein paar Kisten mit Klamotten. Nur: Erst mal einen finden! Die, die man will, sind teuer. Die, die günstig sind, sind verheizt.

Also habe ich mich weiter umgeschaut, kam innerhalb des Toyota-Konzerns an einem sehr schicken, nur in den USA vermarkteten Toyota Highlander Hybrid vorbei, den ich zum ultimativen Luxusvan hätte umbauen können. Vandwelling in einem 250-PS-Hybrid, macht ja auch nicht jeder.

Aber auch das hat nicht gepasst. Es wären die falschen Kompromisse geworden. Zu wenig Ausbaupotential, zu wenig Geländegängigkeit und vor allem: Viel zu teuer. Dann doch lieber eine reine Luxuskarre anschaffen, mit 250 130 km/h von Hotel zu Hotel fahren und auch was von der Welt sehen.

Eigentlich wusste ich schon die ganze Zeit, was ich wirklich wollte. Ziemlich genau das, was die europäische Autoindustrie mit ihren „SUVs“ verspricht, aber halt doch nicht liefert. Freiheit, Geländegängigkeit, Berge rauf und runter fahren, auch da, wo keine Straßen sind. Nur würde ich das mit einem Fahrzeug, das man hierzulande als SUV bezeichnet, eben doch nicht bekommen. Zugegeben, ein Porsche Cayenne kann im Gelände deutlich mehr, als die meisten Besitzer sich trauen würden, aber er ist halt nicht typische Basis für ein geländegängiges Freizeitmobil. Und vielleicht auch zu empfindlich.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Gedanken formuliert hatte, aber dann wars doch einfach.